Für Jugendliche ist die gesellschaftliche Pluralisierung in besonderer Weise relevant.
Denn die Jugendphase ist durch Prozesse des Ausprobierens, der Identitätsfindung, der Entwicklung eigener Werte geprägt. Jugendliche gehören unterschiedlichen Gruppen an, dazu gehören verschiedene Musikstile, Kleidungs- und Verhaltensstil.

Die Familie, die Eltern und auch die Schulfreunde der Jugendlichen aus den Weddigen Kiezen bezeichnen sich oft als gläubig oder traditionell. In einer Portraitreihe werden junge Menschen über ihre indivduellen Interessen, Leidenschaft und Kultur berichten.

kulturidentity

Lieder in den Muttersprachen, Sportaktivitäten sowie Nachrichten und Informationen aus den
Herkunftsländern bestimmen ihren Alltag. Die sexuelle Orientierung, bzw. die geschlechtliche Identität findet dabei auch Erwähnung, da sie allgegenwärtig ist. Den Pluralisierungstendenzen stehen oft Normalitätsvorstellungen entgegen, die in den Familien und der sozialen Umgebung hochgepriesen werden. Auf die Körperlichkeit bezogen, gelten Styling und/oder Schlankheit als die Norm. In einem Bezirk wie Mitte/Wedding ist das anders, da Familientradition oft die Verhaltensnormen bestimmt. Bezogen auf das soziale Verhalten, gehören Kommunikation via Neue Medien (instagram, you tube, facebook, u.a.) und wie bei allen Jugendlichen, Liebe, Beziehungen und Konsum dazu.

Arthurs Welt

Arthur kommt aus Berlin, wie ein echter Berliner, hat er mehr als eine Muttersprache. Neben Deutsch, spricht er Russisch, etwas Lettisch und Englisch.

Arthur lebt in drei, sogar vier Kulturen. Die Traditionen des Islam kennt er aus dem familiären Umfeld.In seiner Kindheit schaute Arthur viele russische Zeichentrickfilme und die Liebe zu den Büchern hat seine Persönlichkeit auch geprägt. Ein wichtiger Bezugspunkt in seinem Alltag ist der Jugendclub Badstraße, wo er regelmäßg hingeht. Arthur spricht über sich und wie es ist, als Jugendlicher in einem multikulturellen Kiez wie Berlin-Gesundbrunnen zu Hause zu sein.

Arthur über die Welt des Films, der Medien, der Musik und der Bücher
Arthur über die Familie
Arthur über das Leben der Jugendlichen

Dominik über  Musik und Familie

Dominik ist 16 Jahre alt und wie auch Arthur kommt er regelmäßig in den Jugendclub Badstraße in der multikulturellen Nachbarschaft in Berlin-Wedding. Dominik spricht neben Deutsch, Polnisch und Englisch. Musik ist seine Leidenschaft, er kennt sich gut mit Klavier und Gitarre aus. Wie er selber sagt, ist seine Stimme für ihn das wichtigste Instrument. Dominik hat zusammen mit der Musikpädagogin Alba Fieira musiziert und den Rhytmus der galicischen Pandiaretta ausprobiert. Alba slebst kommt aus der spanischen Region Galicien und bringt Dominik die Inhalte der galicischen Lieder nahe.

Orkun über Liebe und Vorbilder

Wenn man eine gute Person ist, dann treffe man auch gute Menschen, sagt Orkun. Der 15-jährige Schüler ist gern im Jugendclub in der Badstraße, weil er hier viele Freunde hat. Sich für eine gute Sache einzusetzen, auf sein Herz hören und nach der wahren Liebe zu suchen, das hat er zu Hause, von seiner Familie gelernt. Orkun hat eine Liebe und ist sehr glücklich darüber.

Das Tabu – Hintegründe, Bedeutung in Sprache und Kultur

Der Begriff „Tabu“ stammt aus Polynesien und soll im Griechischen  so viel wie „viele Inseln“ bedeuten. Welche Inseln sind damit gemeint? Polynesien umfasst eine Region des Pazifiks, die wie ein Dreieck aussieht. Diese reicht von Hawaii im Norden bis nach Neuseeland im Südwesten und im Osten liegen die Osterinseln. Der Brite James Cook, ein Entdecker und Seefahrer hat diesen Begriff nach Europa im 18. Jahrhundert überbracht. Unter „Tabu“ versteht man Dinge, die verboten sind. Wenn man Tabus bricht, wird man bestraft oder ausgegrenzt und diffamiert. Das gilt bis heute. Und wie sieht es mit Tabubrüchen in der Kunst aus? Der Prozess der Tabubrüchen kann auch als eine avantgardistische Veränderung und Modernisierung sowie Weiterentwicklung betrachtet werden. Beispielsweise brach der spanische Maler Francisco de Goya mit den Tabus um die Darstellung adliger Frauen. Er widmete sich der Aktzeichnung und bildete in zu der Zeit ungewöhnlicher Weise seine Gönnerin, die Herzogin Alba ab. Goya stellte sie mit und ohne Kleidung dar, was in jener Epoche neu war. Also bedeutet Tabubruch auch, sich von alten Dogmen und Regeln zu lösen, um eine Weiterentwicklung in verschidenden Bereichen zu erwirken, die Kunst gilt dabei oft als ein Vorreiter beim Brechen mit Tabus.

Frida über Liebe, Akzeptanz und Tabu

Frida ist fast 18 Jahre alt, eine interessierte und aufgeweckte junge Frau, die gern selbständig sein möchte und einiges in ihrem Umfeld verbessern würde. Deshalb auch engagiert sie sich bei politischen Projekten, die Arbeit mit Medien liegt ihr auch noch. Der Einsatz bei der freiwilligen Feuerwehr ist eins ihrer Hobbies. Gegenwärtig macht die junge Berlinerin neben der Ausbildung Videos rund ums Thema „Was möchtest Du in Deinem Kiez verbessern?“ Die Kurzvideos werden später öffentlich präsentiert und auch Frida hat sich eigene Gedanken darüber gamacht, was in ihrem Kiez besser werden sollte. Das Blindensignal an Ampeln funktioniere nicht richtig, meint sie, so dass blinde Menschen nicht genau wissen, wann sie die Strasse überqueren dürfen. Die Ampelanlagen müssten also erneuert werden. Auch andere Themen interessieren Frida, wie zum Beispiel, die Darstellung von Schönheit, Liebe und Intimität in den Sozialen Medien. Darüber hat sie ihre ganz eigene Meinung. Und was ist ein Tabu? In diesem Zusammenhang erzählt Frida über die Lektüre „Sex und so“ der Autorin Lydia Meyer.

Die Liebe in der galizischen Liedkunst

Alba und Kuka kommen aus Galizien, gemeinsam mit den Jugendlichen musizieren sich auf Pandiaretta, Gitarre

und Tambuka.

Interessant ist, dass die kleine galizische Trommel, auch Pandiaretta genannt, in den arabischen Ländern weit verbreitet ist, nur ist die Spielart dort einbisschen anders als in der spanischen Region. Während bei der galizischen Spielart mehr die Finger eingesetzt werden, beansprucht die arabische Spielart die Handfläche. Darüber hinaus geht es beim gemeinsamen Musizieren insbesondere um die Deutung der Liedtexte, der vielen versteckten Codes und Botschaften, welche die Jugendliebe zum Ausdruck bringen.

Muneira de Santo Amaro, ein Tanz aus dem galicischen Dorf Santo Amaro, ist ein musikalisches Werk, welches De Berlin Son und Jugendliche gemeinsam performt haben.

Darin wird die freie Wahl jedes Menschen besungen:

Single zu sein ist eine gute Sache.

Verheiratet zu sein, ist auch gut.

Ich werde mir den Moment der freien Entscheidung festhalten.

Egal, was wir entscheiden, es ist unsere Wahl und unser Weg, denn es gibt nicht richtig oder falsch. 

De Berlin Son spielt auf Pandiaretta mit Imad (Tambuka), gesanglich begleitet die Gruppe Maria Elena.

Projektpartner- und Antragsteller: Die Stiftung SPI-Geschäftsbereich Lebenslagen Vielfalt und Stadtentwicklung, der Jugendclub Badstraße, die Friedensburg-Oberschule sowie die Vereine De Berlin Son e.V. und IFDE e.V.

Das Projekt wird gefördert durch das Programm „Kultur macht stark“. JEP des Paritätischen Bildungswerks e.V. ist Programmpartner von „Kultur macht stark“.